2018 – Ein Wochenende mit Fußballfans und wilden Pferden

Nun ist unser schönes Wochenende fast wieder vorbei und ich schreibe im Zug einen kleinen Eintrag in mein Reisetagebuch.

Unser Ziel diesmal war Dülmen, genauer gesagt das als Merfelder Bruch bezeichnete Naturschutzgebiet, in der Nähe der Stadt. Hier hat das Herzogtum von Croy ein Reservat für Wildpferde bereitgestellt und einmal im Jahr findet seit 1907 der berühmte Wildpferdefang statt.

Dieser findet immer am letzten Sonnabend im Mai statt, diesmal schon zum 111. mal. 

Wildpferdefang

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Noch am Donnerstag, vor unserer Fahrt, hatte es deutschlandweit wie aus Eimern geschüttet. Aber mit jedem Meter, den wir unserem Ziel näher kamen, wurde das Wetter schöner.  

Ab dem Bahnhof Essen teilten wir allerdings den Zug mit unzähligen Fußballfans. Es war sehr voll, aber auch sehr lustig. Die sich selbst als „Ruhrpottkanacken“ bezeichneten Fans kannten wirklich alle gängigen Lieder wie „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Aber es gab auch grenzwertige Sprüche, die uns ganz neu waren. Beispiele gefällig? 

„Besser widerlich, als wieder nicht“. Oder „Je älter der Krug, desto süßer der Saft“.

Wie gesagt grenzwertig. Aber ab Gelsenkirchen war der Spuk vorbei und die Landschaft wurde, durch das Zugfenster betrachtet, auch immer ländlicher und gemütlicher. 

Dülmen selbst ist jetzt nicht unbedingt ein Schmuckstück und ohne die hart erkämpften Karten für den Wildpferdefang, wären wir wahrscheinlich nicht hergekommen. Aber die Wildpferde sind an den Häusern immer wieder präsent. Viele Gebäude sind mit verschieden farbigen Pferdeköpfen geschmückt. Hat man sie erstmal entdeckt, findet man immer wieder welche. Auch die Landschaft im Umland ist sehr schön.

Pferdeköpfe an Hauswänden

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Aber zurück zu den Tickets: Diese hatte ich mit viel Glück ergattert. Und das zu regulären Preisen! Am Tag des offiziellen Verkaufes sind die wirklich preiswerten Tickets innerhalb von Sekunden ausverkauft. Nur wenig später kann man dann diese Karten für horrende Preise kaufen. Das Schwarzmarktgeschäft mit den Karten blüht außerordentlich. 

Wie kommt das? Schwarzmarkthändler kaufen sie offensichtlich mittels automatisch arbeitenden Programmen und mit tausenden Klicks pro Sekunde sofort auf. Der Veranstalter gibt sich dieser Praxis gegenüber machtlos. Das ist schade.

Ich hatte versucht, mit meinen Fingern auch so oft wie möglich zu klicken und dann, oh Wunder, hatte ich plötzlich zwei Tickets. Zwar nicht auf der Seite des Stadions, die ich gewollt hätte, aber es fühlte sich wie ein Hauptgewinn an. Warum wollte ich andere Tickets? Gerne hätte ich beim Event die Sonne im Rücken gehabt. Ihr wisst schon, der Fotos wegen. So hatten wir Gegenlicht und die pralle Sonne im Gesicht. Ich weiß, den meisten von euch wäre das egal gewesen.

Aber unsere Aufregung vorher war auch so groß genug. Immerhin ist so eine Veranstaltung einmalig in Europa. Die auf dem Gebiet des Grafen von Croy lebenden Pferde, sind im Grunde wild und werden nur einmal im Jahr in ihrer Ruhe gestört: Zum Wildpferdefang. Dazu wird die gesamte Herde von Helfern in das Naturstadion getrieben. Übrigens unter Aufsicht der örtlichen Oberförsterin. Nun, unter Beobachtung der Zuschauer, werden immer wieder kleine Gruppen isoliert und in diesen dann nach den 1-jährigen Hengsten Ausschau gehalten. Das sind die Jährlinge. Diese müssen der Herde entnommen werden. 

Das hat einfache Gründe: Die Herde und das Reservat ist für so viele Hengste nicht groß genug. Sie würden versuchen, den anderen Hengsten für den Aufbau einer eigenen Herde, die Stuten abzujagen. Das würde zu massiven Kämpfen führen. Zusätzlich käme es bei Verbleib der Hengste zu Inzucht, wenn diese Nachwuchs mit ihren Müttern oder Schwestern hätten. Weil man also handeln muss, werden die Jährlinge gefangen und anschließend versteigert. 

Im Vorprogramm hatten wir übrigens Gelegenheit einige der Hengste, aus den vergangenen Versteigerungen der letzten Jahre zu sehen. Sie hatten sich gut an die Menschen gewöhnt.

Gezähmte Wildpferde

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Die Rasse eignet sich gut als Kutsch- oder Reitpferd für kleinere Personen. Der Grund ist, dass die Tiere nur ca. 1,30 Meter groß werden. 

Dieses Jahr wurden übrigens 36 Hengste gefangen. Fünf davon konnte man gewinnen. Leider kamen wir zu spät, um Lose hätten kaufen können. Die Gewinner, wie auch die Auktionsgewinner, müssen natürlich nachweisen, dass sie in der Lage sind, ein Pferd artgerecht zu halten. Ein Pferd auf dem Flur ist zum Beispiel nicht artgerecht. Wer aber eines gewonnen hat, kann es auch versteigern lassen. Bringt immerhin ein paar Euronen.

Der Lospreis ist zudem mit einem Euro wirklich gering. Die Pferde, die während wir zuschauten versteigert wurden, brachten zwischen 400 und 700 Euro. Dieses Jahr wollten aber alle Gewinner ihr Pferd behalten. Es gab sogar Freudentränen.

Ansonsten ist der Wildpferdefang ein richtiges Volksfest. Viele kommen gut vorbereitet mit Picknickkorb und Decke. Es gibt aber auch genug Ess- und Trinkbares zu kaufen.

Nicht vorenthalten möchte ich euch aber auch die Argumente der Tierschützer. Einige sind gegen den Wildpferdefang. Sie argumentieren man könnte zum Beispiel mittels Sterilisation die weitere Zucht unterbrechen. Nur dann wäre es irgendwann ganz vorbei mit den fast wilden Pferden. 

Warum schreibe ich eigentlich immer „fast wild“? Es ist ja tatsächlich so, dass die Pferde sich frei auf dem Gelände bewegen können und dort wild und frei leben. Allerdings sind sie doch eingezäunt und es gibt eine Wassertränke und eine Futterstation, falls die Natur nicht genug bietet.

Übrigens kann man die Wildpferde auch ohne Event besuchen. Von März bis 1. November ist das Gebiet samstags und sonntags geöffnet.

Also auf geht’s. Ich wünsche viel Spaß!