2017 – Weihnachten im Elsass

Vergesst alles was ihr bisher über weihnachtliche Hausdekoration wusstet, ihr müsst einfach nach Strasbourg kommen und euch selbst überzeugen, dass immer noch mehr geht. Hier klettert nicht ein Weihnachtsmann am Haus entlang, es sind zig und so viele, dass ich sie nicht zählen konnte. Aber es können auch Bärchen, Mäuse oder sonstwas sein, Hauptsache viele davon. Und natürlich Lichter über Lichter. Wir hatten oft den Eindruck, als wären die Hausbesitzer im Wettstreit miteinander und würden darum konkurrieren wer die ungewöhnlichste Dekoration angebracht hat. 

Zwar kann kein Foto tatsächlich diese Atmosphäre widerspiegeln, aber ich habe ständig Bilder gemacht, so beeindruckt war ich und wollte alles festhalten. Teilweise kamen wir uns gar nicht vor als wären wir unter freiem Himmel, so hell war es. 

Nicht umsonst nennt sich also Strasbourg die Hauptstadt der Weihnacht (Capitale de Noel) und taucht regelmäßig in den Listen der schönsten Weihnachtsmärkte von Europa auf.  

Weihnachtsmarkt Straßburg

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Übrigens in selbiger Liste steht Colmar meist gleich darunter. Und da Colmar von Strasbourg leicht zu erreichen ist, haben wir unser Wochenende hier gleich für einen Besuch in dem Städtchen genutzt. Wir hatten auch Glück und Sonnenwetter im November. Da lässt sich alles noch viel netter anschauen. Der Weihnachtsmarkt in Colmar ist weniger prunkvoll aber dennoch eine Reise wert. Hier gibt es an 5 Standorten sehr schöne Buden und jede Menge Kaufenswertes. Fragt mal unser Portmonee. 

Nun haben wir jedenfalls richtig Lust bekommen, auch die anderen schönen Märkte mal zu besuchen: Zagreb, Prag oder Tallin. Wir brauchen unbedingt mehr Zeit und Geld. Eines haben wir uns aber immer wieder gefragt, nämlich warum Erfurt nicht in der Liste der schönsten Weihnachtsmärkte auftaucht. Denn da gehört er hin. 

Weihnachtsmarkt Colmar

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2017, November in Berlin

November ist ja bekannktlich nicht die beste Reisezeit, zumindest nicht hier in Deutschland. Unsere Freunde hatten uns aber Konzertkarten für Mark Forster für den 11.11.17 in Berlin geschenkt und das Wochenende mit Anteil an den Hotelkosten gleich mit. Also die Gelegenheit Berlin mal zu dieser Jahreszeit zu besuchen. Und was soll ich sagen: Die Hauptstadt ist doch immer eine Reise wert, selbst im November und selbst wenn Mark Forster sein Konzert einfach absagt. 

Jetzt sind wir also hier bei 4°C und erleben Erlebnisse. Da es aber bei solchen Temperaturen und Regen wirklich ungemütlich ist, musste ich mich anders als sonst vorbereiten: Für diesen Wochenendtrip (Sonnabend bis Montag) habe ich deshalb die extra warmen Winterschuhe, Winterjacke, Schal, Handschuhe, Stirnband und selbstverständlich drei lange Unterhosen  dabei. Muss sein! Unterhemden und Schirm sind sowieso obligatorisch und die übliche Wäsche etc. natürlich auch. Ihr kennt mich, mein Koffer ist voll. Annett amüsiert sich also auch diesmal was ich immer so mitschleppe.

Derart aufgerüstet kann ich mich jetzt also in die Kälte wagen. Unser erster Ausflug am Samstag war dann dem Tempelhofer Flughafen gewidmet. Hier landen zwar keine Flugzeuge mehr, aber auch ohne Flugbetrieb ist das Gelände und vor allem das Flughafengebäude sehr eindrucksvoll. Wir hatten eine zweistündige Führung, die ich wirklich sehr empfehlen kann. So haben wir zum Beispiel erfahren, dass der Flughafen Tempelhof schon 1923 den Linienverkehr aufnahm. Damit war er einer der ersten deutschen Verkehrsflughäfen. Das imposante Bauwerk, welches aber heute zu sehen ist, hatte seinen Baubeginn erst 1936. Die Gesamtlänge des Gebäudes soll ca. 1,2 km betragen. Unser Führer meinte es wäre damit noch immer das viertlängste Gebäude der Welt. Es ist bogenförmig wie ein halbes Stadion aufgebaut. Geplant war damals auch eine Art Tribüne auf dem Dach, um möglichst viele Zuschauer bei Flugshows zusehen lassen zu können. Dazu gab und gibt es 13 Treppenhäuser mit gegenläufigen Aufgängen, damit tausende Besucher schnell hinauf gelangen können. Wir sind die 8 Etagen nach oben übrigens auch gestiegen. Mit meinen dicken Klamotten nicht ohne.

Leider können meine Fotos aber nicht annähernd die beeindruckende Optik widerspiegeln. Das Wetter war sehr trüb und regnerisch.

Übrigens war hier nach dem Zweiten Weltkrieg die US-Army stationiert und wie ihr euch denken könnt, gab es dadurch einige Veränderungen am Gebäude. Wo Ballsäle oder Restaurants geplant waren, ist nun ein Basketballfeld zu sehen und bis vor kurzem waren dort auch 6 Bowling-Bahnen. Es wurde also nicht langweilig. 

Der mittlerweile stillgelegte Flughafen Tempelhof

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Apropos, wir hatten auch keine Langeweile. So zum Beispiel waren wir am Abend im jüdischen Restaurant Yafo. Das hatte ich seit Monaten geplant. Eine Tischreservierung ist  zum Sonnabend unbedingt erforderlich. Das Yafo gehört offensichtlich aktuell zu den angesagten Lokalen und das über die Stadtgrenzen von Berlin hinaus. Man spricht nur englisch, was mich bei einem Anruf im Vorhinein so verwirrt hat, dass ich dachte ich hätte mich vielleicht verwählt und wäre im Ausland gelandet. Wir wollten einfach nur mal die israelische Küche probieren. Aber das Restaurant hat auch so Unterhaltungswert.

Eigentlich muss man selbst dort gewesen sein, aber ich versuche mal euch die Atmosphäre zu beschreiben: Wie momentan alle recht neuen und irgendwie als hip eingestuften Restaurants stehen hier im Yafo nur alte oder auf heruntergekommen gemachte Möbel, gerne auch Einzelsofas oder Gartenbänke. Räume renovieren ist dagegen out. Ansonsten Düsterniss und Kerzenschein. Alles Absicht sag ich mal, auch die abgegriffenen Speisekarten gehören sicher zum Konzept. Was auf der Karte steht ist jedenfalls kaum zu erkennen. Da musste die Taschenlampen-App ran. Die Bedienung hilft aber auch gerne weiter. Apropos Bedienung: Nette Mädels, die aber alle aus irgendeinem Grund billige Diademe wie beim Kinderfasching im Haupthaar tragen. Einer der Herren war auch ein wenig speziell, mit sehr breitem Goldarmreif und goldenem Mikrofon.

Damit hat er dann ab und an Gäste angesprochen. Zu verstehen war er allerdings nichts. Die Musik war einfach zu laut. 

Nun zum Eigentlichen, dem Essen: Sehr ausgefallen, aber lecker. Wir hatten zum Beispiel mit Lammhack gefüllte Calamari-Tuben oder einen im Ofen gebackenen Butternusskürbis mit Petersiliensalat. Traditionell israelisch war das vielleicht nicht, aber absolut interessant und ein Erlebnis der besonderen Art. So wie es im (Kurz-) Urlaub eben sein sollte.

Yafo, israelisches Restaurant

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Konsequenterweise haben wir dann am Sonntag so weitergemacht wie wir am Samstag aufgehört haben und haben die Welt auf gastronomische Weise weiter  kennengelernt. Ihr ahnt es vielleicht schon, wir hatten eine eat-the-world Tour. Diesmal durch Neukölln. Die Runde erstreckte sich aber nur durch einen kleinen Teil dieses Stadtbezirkes, hier ist die Bevölkerungsdichte sehr hoch und an quasi jeder Ecke gibt es neue Cafés und Restaurants. Die „älteste“ Lokalität auf unserer Strecke eröffnete gerade einmal im Jahr 2013. Wir konnten dabei libanesische Pizza, einen deutschen Burger (mit Sauerkraut und Kassler), amerikanischen Kuchen, Falafel oder auch eine vegane Kürbissuppe probieren. Alles in kleinen Portionen, sonst ist es natürlich nicht schaffbar. Nebenbei erfährt man so einiges über die Stadt bzw. den Stadtbezirk und läuft auf Wegen die man als normaler Tourist nie gegangen wäre. So lernten wir dörfliche Atmosphäre genauso kennen wie die Sonnenallee, die im In- und Ausland mittlerweile als arabische Straße bekannt ist. 

Eat-the-world Tour Neukölln

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Nach all den Erlebnissen fühle ich mich wie nach einer Woche Urlaub, ein tolles Gefühl. Die nächsten Kurztrips sind bereits in Planung. Also bis bald wieder bei der Reisetante.