2017 Frankreich – Tag 13 – Nimes Arena

Schon gestern hatte ich euch ja etwas über die Arena in Nimes berichtet. Heute nun waren wir im Inneren und haben nun einen noch besseren Eindruck. In unserem Ticketpreis war auch eine Audio-Führung inbegriffen, so dass ich euch einen Extrakt daraus erzählen kann. Alles kann sich ja eh keiner merken. 

Die Arena wurde im Jahre 100, als Nimes noch Nemausus hieß und in Gallien lag, erbaut. Das Kolosseum in Rom ist nur 20 Jahre älter. Wie schon berichtet ist aber die Arena von Nimes die am besten erhaltene aus dieser Zeit auf der Welt.

Irgendwann, noch etwas früher, kam jemand auf die Idee, die bereits bekannten Theater zu erweitern. Diese haben ja unten eine Bühne und dann aufsteigend die Ränge. Im Grunde baute man nun einfach auch auf der gegenüberliegende Seite noch einmal Ränge hinzu. Da diese ja sowieso schon halbrund waren, enstand eine Ellipsenform und so hatte man ein Amphitheater. Von der Konzeption her sehen diese aus wie unsere heutigen Stadien. 

Auch damals schon gab es verschiedene Eingänge und somit kein Gedränge beim Einlass. Unten, ganz dicht am Geschehen, saßen die Honoratioren der Stadt oder deren Gäste und aufsteigend die ärmeren Leute. Ganz oben dann die Sklaven. Gegen die Hitze gab es ausfahrbare Sonnensegel. 

Arena heißt nebenbei bemerkt übersetzt schlicht „Sand“, der ja auch den Bodenbelag des Amphitheaters bildete. Dieser musste immer wieder erneuert werden, da er ja vollgesogen mit dem Blut der Tiere und Kämpfer war. Apropos, gekämpft wurde von früh bis spät an Veranstaltungstagen. Vormittags gab es ein Unterhaltungsprogramm aus Tierkämpfen. In denen wurden entweder die Tiere aufeinander gehetzt oder von Jägern mittels Lanze erlegt. Bei besonders großen Veranstaltungen kamen dabei auch von weither eingeführte Tiere zum Einsatz, zum Beispiel Löwen.

So erschreckend wie das schon klingt, ist dies nichts gegen das Mittagsprogramm. Da wurden zum Tode verurteilte in regelrechten Gemetzeln erledigt. Entweder mussten sie sich gegenseitig umbringen oder wurden angebunden und von wilden Tieren zerfleischt. Das hat sich übrigens kaum einer angesehen, sondern in dieser Zeit speisten die meisten lieber draußen vor der Arena bei den fliegenden Händlern. Nur Sklaven, die ihren Herren den Platz frei halten mussten, und vielleicht Hartgesottene blieben in dieser Zeit in der Arena. Mitleid hatten die meisten allerdings nicht mit den Todeskandidaten, es war nur recht unappetitlich.

Dann am Nachmittag kamen die Höhepunkte mit den Gladiatorenkämpfen. Zunächst kämpften jüngere und unerfahrenere Kämpfer, dann kamen die Stars. Auf diese wurden oft hohe Geldbeträge gewettet. Es ist übrigens ein Mythos, dass der Verlierer eines solchen Kampfes immer sterben musste. 90% der Kämpfer wurden verschont. Sie waren in ihrer Ausbildung einfach zu teuer, als das man sie sterben lassen wollte. Streckte der Herrscher die flache Hand mit dem Daumen nach außen, bedeutete dies aber wirklich den Todesstoß. Dieser erfolgte per Stich in den Hals. Die Hand mit dem umschlossen Daumen hieß, dass der Dolch zurück in die Scheide kam.

Diese Art der Kämpfe gab es bis ins 4. Jahrhundert hinein. Es war aber nicht etwa, wie vielfach behauptet, das aufkommende Christentum, das für den Niedergang der Gladiatorenkämpfe sorgte. Zwar wetterten die Christen gegen diese Art der Unterhaltung, aber das galt auch für andere Dinge wie zum Beispiel die Musik. Denn all dies würde die Gläubigen nur von ihrem Glauben ablenken. 

Stattdessen waren es wohl Seuchen, klamme Kassen, Aufstände und mit all dem der wirtschaftliche Niedergang, die als Gründe für das letztendliche Ende angesehen werden.

Nimes, das während der Römerzeit prosperierte, ging danach einer trostloseren Zeit entgegen und die Arena mit ihr. Die Torbögen wurden meist vernagelt oder mit Lehm verschlossen. Damit war sie Teil der Stadtbefestigung. In ihr entstanden bis zu 100 kleine Häuser in denen die Menschen hausten. 

Erst in der Renaissance widmete man sich dem Rückbau und öffnete die Torbögen wieder. Nur zwei davon blieben verschlossen. Ich habe sie mal fotografiert. Auch interessant ist, dass die offenen Bögen auch in den oberen Etagen weiterhin ohne Gitter sind. Man könnte sich also gut hinunter stürzen. Der deutsche TÜV würde das wohl nicht zulassen.

Inzwischen wird die Arena Stück für Stück restauriert. Wie der sanierte Stein neben dem unsanierten aussieht, seht ihr hoffentlich auch auf meinen Fotos. Übrigens finden diese Arbeiten bei laufendem Betrieb statt. Das heißt es gibt in der Arena sehr viele Veranstaltungen. Zum Beispiel die Ende April bis Anfang Mai stattfindenden Römerspiele. Oder wie jetzt gerade im Juni/Juli einen ganzen Monat lang Rockkonzerte. Dieses Jahr waren zum Beispiel schon Rammstein und die Scorpions da. Übrigens um die Mittagszeit sitzen schon erste Fans vor der Arena und warten auf den Einlass, damit sie die Ersten an der Bühne sind (siehe Foto).

Für uns als reine Touristen war es etwas ungünstig, dass durch diese Rockkonzerte die Bühne inmitten der Arena stand. So konnte man gar nicht richtig die alte Atmosphäre spüren. Aber als Besucher einer solchen Veranstaltung hat man mit Sicherheit eine super Sicht. 

Wir verabschieden uns nun von Nimes und fahren zurück nach Strasbourg, wo es heute Abend unbedingt noch einmal Flammkuchen geben muss.  

Nimes Arena, Tag 13 unserer Frankreich-Reise

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