2016/ET/11/Rom im Sommer

Eine Städtereise im Hochsommer ist immer etwas anstrengender als im milden Frühling. Aber natürlich wollten wir uns trotz Hitze auch ein paar Highlights von Rom ansehen, man ist ja nicht jeden Tag hier. Und Herausragendes gibt es hier überall.

Das Bus Hop on Hop off Ticket war dafür heute unsere Wahl. Die entsprechenden Unternehmen dazu gibt es hier gleich mehrfach, der Konkurrenzdruck ist hoch und deshalb lässt sich der Preis hier gut verhandeln. Teuer ist der Spaß trotzdem immer noch und bei den Temperaturen auch heiß. Deshalb war viel Wasser angesagt und die fliegenden Händler haben sich darauf hervorragend eingestellt hier auszuhelfen. An jeder Ecke bieten sie Wasser in Flaschen an, das oftmals noch gefroren (!) ist. Wer will kann es sich auch in den Bus reichen lassen.IMG-20160728-WA0143

IMG-20160728-WA0046

Auch andere Geschäfte rund um uns Touristen sind in Rom an der Tagesordnung: Zum Beispiel das VIP – in die Sehenswürdigkeit bringen. Also ohne anstehen reinkommen, wo andere Stunden warten. Beim Petersdom hatten wir das schon genutzt und dadurch sogar obendrauf noch eine gute Führung erhalten. Heute nun am Colosseum wollten wir dies auch, aber der „VIP-Service“ ist hier wesentlich chaotischer.

Lange Schlangen vor und im Colosseum
Lange Schlangen vor und im Colosseum

IMG-20160728-WA0030

Ehrlich gesagt habe ich so was auch noch nicht erlebt. Am Ende der Schlange warten schon die Anquatscher und akquirieren was das Zeug hält.

Immer mit  dem Hinweis auf die laaaaange Schlange. Der Trick hier ist, dass man im Rahmen einer organisierten Führung schneller hineingebracht werden kann. Das eigentliche Ticket ist dabei recht preiswert, die Verkäufer verdienen also an der Führung. Dazu muss man wissen, dass es eine Obergrenze an Besuchern gibt, die gleichzeitig im Colosseum sein dürfen. Das sind maximal 3000 Leute.IMG-20160728-WA0032

Unser Akquisititeur hatte zunächst mit uns den Preis verhandelt und brachte uns dann zu seinem Chef. Der war schon umringt von anderen Touristen. Manche verhandelten weiter am Preis und einige wollten nicht mal geführt werden. Tatsächlich waren da einige Amerikaner, die unter enormem Zeitdruck standen. Als wir nach einiger Zeit im Colosseum waren, hatten sie trotz bevorzugtem Einlass nur noch wenige Minuten übrig und hetzten dann zum Ausgang. Hauptsache mal drin gewesen, war wohl hier das Motto.

Das Colosseum von innen
Das Colosseum von innen
Selfiemanie
Selfiemanie

 

Dabei war unser Führer Igor wirklich sein Geld wert und das Colosseum ist immer wieder beeindruckend. Nicht nur dass es die Jahrhunderte überstanden hat, auch das was hier damals geboten wurde ist schier überdimensional.

Im Ticketpreis eingeschlossen war auch gleich die Besichtigung des Palatin, einer von Roms Hügeln und ältester bewohnter Teil der Stadt. Und auch inklusive war die Besichtigung des hier gleich angrenzenden Forum Romanums.

Dieser Ort ist die wichtigste römische Ausgrabungsstätte aus der Antike und auch älter als das Colosseum. Die Wege sind mit großen Steinen versehen oder sandig, was dazu führte dass unsere Beine und Füße hinterher aussahen wie nach dem Eseltrekking. Und es gab ein Hinweisschild auf einen steilen Anstieg, den wir aber nur belächeln konnten. Wir sind Anderes gewohnt.

Forum Romanum
Forum Romanum

Nur die Hitze sind wir weiterhin nicht gewohnt und haben so das eine oder andere Päuschen einlegen müssen. Immerhin wollten wir noch die  „Schreibmaschine“besichtigen. Das Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II ist ein Nationaldenkmal neueren Datums, das der italienischen Staatsgründungsbewegung im 19. Jahrhundert gedenkt. 1911 wurde es eingeweiht und ist ein gigantisches Bauwerk. Im Volksmund wird es oft als Schreibmaschine bezeichnet. Auf seiner Rückseite gibt es einen Panoramaaufzug, den wir trotz stolzen Preises empfehlen können. Die Aussicht ist überwältigend, hat man doch viele der wichtigsten römischen Sehenswürdigkeiten noch einmal von oben auf einen Blick.

Schreibmaschine
Die sogenannte Schreibmaschine
Blick von oben
Der Blick von oben zeigt unter anderem das Colosseum und die daneben liegende Baustelle für die Metro

IMG-20160728-WA0036

 

Derart beeindruckt war es dann Zeit den Rückzug anzutreten und zum Hotel zurückzukehren. Noch ein gutes Essen in der Trattoria nebenan, das besser war als alles was nahe den Sehenswürdigkeiten geboten wird, und wir waren froh im Bett zu landen.

Saltimbocca alla romana
Saltimbocca alla romana

Unsere Reise hat sich gelohnt. Bis bald mal wieder.

2016/ET/10./Rom zum zweiten


Leben eigentlich alle Italiener in Rom? Ich habe bald den Eindruck bei den Menschenmassen. Natürlich kommen noch einmal zu all den Einwohnern viele, viele Touristen hinzu. Wir hatten heute schon mal Gelegenheit uns unauffällig unter sie zu mischen.

Aber eigentlich haben wir uns heute hauptsächlich ausgeruht. Bis 12 Uhr waren wir noch in unserem tollen Hotel Locanda La Corte, hatten ein Verwöhnfrühstück, saßen am Pool und genossen die Sonne (vom Schattenplatz aus). Dann hatten wir mit Saskia, unserer Tourleiterin, noch eine unterhaltsame Rückfahrt nach L’Aquila mit vielen Eselgeschichten. Und auch die Busfahrt zurück nach Rom war im klimatisierten Bus mehr als entspannt. Dann hatte uns Rom mit Wucht wieder eingefangen. 36 Grad beim Ausstieg aus dem Bus war wie mit dem Fön angeblasen zu werden. All die bis eben genossene Ruhe war gleich mit fort. 

Taxi drängelt sich an Taxi
Taxi drängelt sich an Taxi

 

IMG-20160728-WA0037Deshalb haben wir es langsam angehen lassen und nur ein paar Kleinigkeiten angeschaut. Zum Beispiel den Trevi-Brunnen. Allein für sich betrachtet ist er ganz nett, aber wir waren eben nicht alleine da. Ich glaube jeder Mensch auf der Welt braucht unbedingt mal ein Selfie mit sich und dem Trevi-Brunnen.

Auch Stephanie wollte die Wassergeister milden stimmen und warf eine Münze
Auch Stephanie wollte die Wassergeister milde stimmen und warf eine Münze
Der Trevi-Brunnen ohne Menschen
Der Trevi-Brunnen ohne Menschen
Menschen über Menschen
Menschen über Menschen
Übrigens haben wir auch heute wieder versucht, mit den römischen Bussen klarzukommen. Das ist eine wirklich preiswerte Alternative zum Taxi. Wann sie aber kommen und an welcher Haltestelle man sich gerade befindet, ist einfach nicht herauszubekommen. Deshalb haben wir an unserem entspannten heutigen Tag einfach mal entspannte 30 Minuten (oder mehr?) gewartet, bis unser knackvoller Bus dann doch kam.
Morgen wollen wir mal die Hop on Hop off Busse testen. Wir berichten…
Übrigens wir planen schon unsere nächste Eselreise. Entzug ist schon was Schlimmes.

2016/ET/9./Abschied von unseren Eseln

Wir sind gerade sehr traurig und ich gebe zu es kullerten auch ein paar dicke Tränen, als wir heute nach unserer letzten Tour die Esel wieder abgeben mussten. Doch natürlich hatten wir vorher noch Gelegenheit eine Abschiedstour mit ihnen zu laufen.IMG-20160728-WA0103

Brav warteten sie schon in ihrem Gehege nahe unseres Hotels. Wir hatten uns heute etwas mehr Zeit gelassen, denn am Schlusstag ist die Runde deutlich kürzer. Ausschlafen war also angesagt und danach ein fürstliches Frühstück im Hotel. Habe ich schon erwähnt, dass man hier von echtem Silberbesteck isst? Und auch die Bewirtung lässt keine Wünsche offen. Noch dazu sind wir die einzigen Gäste im Hotel! Der Chef selbst ist nur für uns da. Im Grunde ist das ja recht schade für so ein schönes Haus, das obendrein einen wunderschönen gepflegten Garten mit Pool hat.

Der Pool an unserem Hotel
Der Pool an unserem Hotel
IMG-20160728-WA0125Aber kommen wir zurück zum Eseltrekking. Nach dem gestrigen Regentag und einer langen Nacht waren unsere Esel wieder richtig hungrig auf Grünes. Jede Gelegenheit wurde genutzt, um irgendetwas abzuzupfen.
IMG-20160728-WA0109
Und so richtig Heimweh schienen sie gar nicht zu haben, obwohl es ja heute Richtung heimischen Stall ging. Sie liefen ganz ruhig und entspannt neben uns her. Dabei hatte es Annett etwas eilig und trieb uns an. Bedrohliche dunkle Wolken zogen auf, es grollte in der Ferne und wir hatten keine Regenjacken mehr dabei.
IMG-20160728-WA0112

Grund war, dass wir eine weitere Nacht im Hotel bleiben können und so mussten wir nur Getränke und einen Imbiss mitnehmen. Die Rucksäcke blieben im Zimmer.

Annett schöpft Wasser für unsere Esel
Annett schöpft Wasser für unsere Esel
Durch mannhohes Grün
Durch mannhohes Grün
Und über eine alte Römerbrücke
Und über eine alte Römerbrücke

Aber wir kamen trockenen Fußes wieder in Goriano Valli an und waren auch ordentlich durchgeschwitzt. Das lag natürlich an der Sonne und den Temperaturen, aber auch an den wiedermal nicht zu verachtenden Aufstiegen. Die werden mir fast schon fehlen, jetzt da ich kaum noch Muskelkater habe.IMG-20160728-WA0104

Aber so ist das wohl insgesamt mit so intensiven Erlebnissen: Sie sind herausfordernd, man möchte sie nicht hergeben, aber auf Dauer würde man sie wohl gar nicht durchhalten.

Die letzte Möhre von Stephanie
Die letzte Möhre von Stephanie
Wieder im heimischen Stall
Wieder im heimischen Stall
Ach wie fehlen mir die Esel! Ganz am Ende freuten sie sich natürlich wieder zu Hause zu sein und flitzen in ihr Freigehege. Aber dann kamen sie doch alle drei wieder zum Tor und vielleicht vermissen sie uns auch ein wenig. Wir haben sie zum Schluss nochmal ordentlich mit Möhren und Brot verwöhnt. Und mit gutem Essen kriegt man ja jeden.
Uns auch! Wir hatten nämlich heute Abend wieder einen Genuss nach dem anderen im Hotelrestaurant, das nur für uns aufgemacht wurde. Morgen geht es dann zurück nach Rom, Kontrastprogramm das hoffentlich gegen Eselentzug hilft.
 IMG-20160728-WA0094

2016/ET/8./Regen auf dem Weg nach San Lorenzo di Beffi

Unsere armen Esel: Gestern schon mussten sie im Gewitter durchhalten und heute war fast den ganzen Tag Regenwetter. Man hat ihnen die Unlust förmlich angesehen. Nicht mal nebenbei einen Grashalm zupfen wollten sie. Erst als es aufhörte zu tröpfeln schmeckte es ihnen wieder. Uns ging es ja ehrlich gesagt ähnlich. So früh aufgestanden wie wir sind: 6 Uhr klingelte der Wecker. Noch dazu waren zumindest Annett und ich sowieso noch völlig unausgeschlafen und das lag an unserem Bett im Agriturismo. Nicht nur dass wir uns ein Laken zum zudecken teilen mussten, vor allem quietschte das Bett wie verrückt. Jedes Wenden eines Körpers führte zum Decke wegziehen und zur absoluten Wachheit. Einmal wach hatten wir zusätzlich noch ein akustisches Dschungelerlebnis. Warum auch immer haben nämlich gegen 5 Uhr früh ALLE Tiere des Ortes gleichzeitig zu brüllen, bellen, singen und sonstwas angefangen. So was haben wir wirklich noch nie gehört. Nach ein paar Minuten war Schluss mit dem Spektakel. Ohne das quietschende Bett hätten wir also echt was verpasst.IMG-20160725-WA0013

Im Regen sind alle lustlos
Im Regen sind alle lustlos

Aber zurück zum Eseltrekking. Die dunklen Wolken am Himmel, die wir beim aufstehen noch skeptisch angeschaut hatten, ließen pünktlich zu unserem Aufbruch ihre Tropfen los. Und es grollte auch verdächtig nach Gewitter. Zum Glück wurden wir aber davon verschont richtig hineinzugeraten. Dafür hatten wir jede Menge Matsch am Schuh, eingematzte Klamotten und Nebel in den Bergen. Positiv betrachtet könnte man aber auch sagen, dass die 50er Sonnenschutzcreme diesmal nicht nötig war (wir hatten sie aber trotzdem aufgetragen, sicher ist sicher). Und einen Hitzschlag konnte man heute auch nicht bekommen.

IMG-20160725-WA0009
Riesenpfützen

IMG-20160728-WA0120IMG-20160728-WA0117

Zaza will nicht weiter
Zaza will nicht weiter

Zum Glück hatte der Regen aber zum Abstieg aufgehört. Ihr wisst ja aus mir wird nie eine Gämse und ich begreife überhaupt nicht wie alle anderen Zweibeiner außer mir so locker Geröllabhänge hinunter kommen. Natürlich hat meine Eselin Annabell meine Langsamkeit am Berg überhaupt nicht verstanden und ist sofort nach unten losgestürmt. Da half für mich nur noch Seil loslassen. Sonst hätte sie mich wohl bäuchlings hinter sich her geschleift. Stephanie konnte aber das Tempo halten und ist mit allen drei Eseln runter geflitzt. Annett kam kurz dahinter. Alle mussten dann sehr lange auf mich warten.

Oben waren wir fast in den Wolken
Oben waren wir fast in den Wolken
An der Bergkirche
An der Bergkirche
Annabell mag es zügig den Berg hinunter
Annabell mag es zügig den Berg hinunter
Oder sie genießt die Aussicht
Oder sie genießt die Aussicht
Aber dann waren wir auch schon fast am Ziel. Diesmal ein Hotel in San Lorenzo di Beffi. Das Haus scheint sehr beliebt in der Gegend zu sein. Als wir mit unseren Eseln kamen wurden wir von vielen fein angezogenen Gästen bestaunt. Das hätte uns schon leicht zu denken geben sollen….
Denn unser Abendessen war, sagen wir mal distinguiert. Ihr wisst was ich meine? Wir hatten ja keine Ahnung wie vornehm es in der italienischen Provinz zugehen kann.IMG-20160728-WA0097
Das Lokal des Hotels ist wirklich toll, aber ich hatte zwischendurch echt Angst vor der Rechnung. Was uns aber auch alles an Speisen gereicht wurde. Und wir hatten auch heute keine Ahnung wieviele Gänge es geben könnte. Los ging es mit frittierten Salbeiblättern! Das Ausrufezeichen ist doch bei einer solchen Spezialität echt berechtigt, oder? Als nächstes kam Fingerfood: Frittierter Pizzateig um den man selbst Seranoschinken wickelte. Auch lecker. Dazu ein Pastetchen, ein Salätchen aus Zartweizen und Kichererbsen und eine Wurstware, die wir aber nicht zuordnen konnten. Annett und ich waren zu dem Zeitpunkt schon satt und blieben es auch. Den Rest konnten wir nur noch kosten. Stephanie hob sich aber den Hunger bis zum Schluss auf, da kam nämlich eine Schoko-Nougat-Torte. Endlich etwas was ihr richtig schmeckte. Zwischendurch gab es aber noch Nudeln mit dicken Trüffelhobeln und Schweinefleischpastete mit Spinat. Der unglaublich aufmerksame Kellner schlich währenddessen dauernd um uns herum und wartete nur darauf uns einen Wunsch zu erfüllen. Uns ist es wirklich ein Rätsel wie all die schlanken Italiener an den Nachbartischen das gleiche Menü ohne Problem einfach so wegaßen. Uns dagegen stieg der Angstschweiß ob der zu erwartenden Rechnung deutlich auf die Stirn. Ich kann euch aber beruhigen, es war weniger teuer als wir erwartet hatten.
Übrigens sind wir jetzt müde, aber in unserem Hotel steigt gerade eine Poolparty zum 50. Geburtstag von …. wir wissen es nicht. An schlafen ist nicht zu denken. Also Karamba, das läuft hier nämlich gerade als Lied….

 

2016/ET/7./Agriturismo oder Agrikultur? / Caporciano

Unser heutiger Tag begann sehr, sehr früh. Immerhin waren wieder 13 km Weg mit den Eseln zu schaffen und wir wollten unbedingt die Mittags- und Nachmittagshitze umgehen. Also klingelte schon 6 Uhr (!) der Wecker und trotzdem brauchten wir insgesamt 2 Stunden, ehe wir und die Tiere aufbruchbereit waren. Immerhin müssen die Esel vor dem Aufsatteln gestriegelt und gefüttert werden. Nicht zu vergessen das Auskratzen der Hufe.

Um 8 Uhr war es dann noch angenehm mild und auch die Strecke ließ sich trotz vielem Hoch und Runter prima laufen. Nur das letzte Stück Straße war sehr anstrengend, weil die pralle Sonne auf uns niederdonnerte und die Strecke nach Caporciano einfach kein Ende nehmen wollte.IMG-20160725-WA0037IMG-20160725-WA0038IMG-20160725-WA0033

Jetzt, da ich diesen Text schreibe, gewittert es aber heftig. Wir sind zum Glück rechtzeitig an unserem Ziel angekommen, wie gesagt bei vollem Sonnenschein. Wir waren deshalb natürlich froh nach drinnen zu kommen. Und es erwarteten uns sehr nette Gastwirte mit kühlen Getränken.

Unsere Veranstalterin Saskia hatte uns schon auf die etwas skurrile Einrichtung unserer heutigen Unterkunft vorbereitet. Aber sie hat recht, man muss es wirklich selbst gesehen haben. Das Agriturismo, so heißen hier Herbergen in ländlicher Gegend, ist übervoll mit sämtlichem Kitsch den es irgendwo zu kaufen gibt. Unser Zimmer zum Beispiel ist in rosa gehalten, mit Herzbettwäsche, Herzkissen, Herzschmuck um die Lampen herum und und und. Natürlich darf Jesus in zweifacher Ausfertigung über dem Bett nicht fehlen. Sämtliche Wände und Schränke sind vollgestellt und vollgehangen. Ein Traum.IMG-20160728-WA0130IMG-20160728-WA0131

Aber mein Blick geht gerade immer wieder sorgenvoll nach draußen zu unseren Eseln, die gerade klatschnass werden im Starkregen. Sie halten sich wacker…

Unsere Esel im Dauerregen
Unsere Esel im Dauerregen

Jetzt, da es aufgehört hat zu regnen, wird es Zeit unser Überraschungsmenü einzunehmen. Wir wissen nur, dass wir einheimische Kost, aus eigener Herstellung der Familie bekommen werden….

…Also ihr glaubt nicht was wir gerade alles bekommen haben. So etwas Außergewöhnliches haben wir glaube ich alle noch nicht serviert bekommen. Aber zunächst eine kleine Vorgeschichte: Als wir 13 Uhr ankamen füllte sich der Gastraum gerade mit einer Großfamilie zu einer Feier. Dass es zünftig zuging, konnten wir auch eine Etage darüber in unserem Zimmer gut mitbekommen. Unser Abendessen startete 20 Uhr und die Tochter des Hauses und unsere Bedienung hatte offensichtlich in der Zwischenzeit deutlich Federn gelassen. Es war recht putzig, aber sie hatte wohl bei der Familienfeier das eine oder andere Schnäpschen mitgetrunken. Plötzlich waren jedenfalls ihre vorher noch sehr guten Fremdsprachenkenntnisse verschwunden. Uns wurde jedenfalls unser Essen von einem kleinen Jungen serviert. Brot, Wein und Wasser standen schon auf dem Tisch. Na halte ich den Spannungsbogen hoch? Ja uns ging es genauso, wir waren neugierig. Denn es kam immer nur eine Kleinigkeit. Ich habe euch mal die Abfolge aufgeschrieben.

1. Geräucherter Schinken mit eingelegtem Zucchini

2. Käse mit Stachelbeermarmelade

3. Dunkles warmes Risotto

4. Blätterteigröllchen mit Limonen Ricotta

5. Räucherspeck mit Honig

6. Pasta in Blätterteig, warm

7. Schweinebraten, warm mit Salat

8. Kuchen, warm und Panna Cotta mit Blaubeeren

Alles war liebevoll angerichtet. Aber weil wir nicht wussten, wieviele Gänge es überhaupt geben würde, dachten wir das Blätterteigröllchen ist bestimmt der süße Abschluss. Etwas hungrig waren wir in diesem Moment schon noch und so begannen wir an den Resten der Soße herumzukratzen. Als plötzlich ein weiterer Gang und weiterer Gang und ein weiterer Gang … kam. Unglaublich!

Zwischendurch gab es noch einen extrem starken Schnaps, der aber untrinkbar war. Ich habe nur einen winzigen Schluck davon genommen und der ätzte mir schon alles weg. Annett ging es ähnlich, obwohl sie sonst kein Kostverächter ist.

Jedenfalls hatten wir zwischendurch noch genug Zeit, uns die Inneneinrichtung genauer anzuschauen. Kultur sozusagen. Fotos können das alles gar nicht wiedergeben. Aber seht selbst. Wir gehen jetzt in unser Herzbett und berauschen uns weiter….

2016/ET/6./Ausruhtag in Fontecchio

Nicht umsonst wurde in der Reisebeschreibung ein Ausruhtag in Fontecchio empfohlen. Nach der gestrigen Tour haben wir den auch ausgiebig genutzt und unsere Wunden geleckt.

Wie Stephanie gestern mit ihren blutigen Fersen und Annett mit ihren von den Eseln blau getretenen Füßen überhaupt laufen konnten, ist mir ein Rätsel. Ich selbst konnte nach dem gestrigen Tag nicht mal mehr das Lampenlicht ertragen und so sind wir nur noch kurz zum Minimarkt gelaufen und danach sofort ins Bett gegangen. Nach sagenhaften 11 Stunden Schlaf ist heute trotzdem eindeutig der Füße-hochleg-Tag. Zumindestens größtenteils, denn natürlich haben wir trotzdem die Esel versorgt.

Die Füße werden gekühlt
Die Füße werden gekühlt
Aua
Aua
Die Esel werden versorgt
Die Esel werden versorgt

Aber Fontecchio ist auch ein nettes Örtchen zum ansehen. Am späten Nachmittag haben wir uns dann aus der Deckung des kühlen Hauses gewagt. Der mittelalterliche Stadtkern ist sehr verwinkelt und die Häuser hoch und aus Stein. Man sieht aber nicht viele Menschen auf der Straße, nur die Bar ist im Außenbereich immer gut besucht. Aber es gibt auch jede Menge Baustellen in Fontecchio, mit fast schon abenteuerlichen Kranaufbauten. Wie ihr vielleicht noch wisst, war 2009 in der Gegend rund um L’Aquila ein schweres Erdbeben und auch jetzt noch werden die Häuser saniert. Auch die Erdbebenersatzhäuser sind noch bewohnt.IMG-20160724-WA002020160724_174628

Aber die Krönung des Tages kam erst am Abend, aber eher im negativen Sinne. Wir wollten nämlich schön italienisch essen gehen, aber naja es war eher so mittel. Das Ristorante hatte zwar eine (preislose!) Speisekarte, aber der Koch lächelte unsere Wünsche mit seinem Charme einfach weg. Es kam also eine Überraschung auf den Tisch. Nach wenigen Minuten brachte uns eine wenig motivierte Kellnerin unser Essen und ich muss leider sagen, es war das Geld nicht wert das auf der Rechnung stand. Aber der Abend war lustig und wird als weiterer Baustein Teil unserer Erlebnisreise bleiben….

IMG-20160724-WA0015

2016/ET/5./Der lange Treck mit den Eseln

Was für ein Tag liegt hinter uns. Am Ende erreichten wir den Hof mit Müh und Not…. um mal mit dem Dichter zu sprechen.

Dabei ließ sich alles ganz harmlos an. Wir waren schon um 7 Uhr aufgestanden. Was kein Problem war, denn immerhin sind wir abends bereits gegen 21 Uhr im Bett gewesen. Ihr erinnert euch: Im Refugio ist kein Strom und somit auch kein Licht. Also blieb nur die Bettruhe. Wobei Ruhe jetzt nicht ganz zutrifft, wenn ich so an die quietschenden Betten denke. Dann ein morgendliches Zähneputzen in Mutter Natur und den Rest der Morgentoilette natürlich auch.

Die Esel hatten derweil noch Gelegenheit das Grün zu dezimieren. Kurz aufgesattelt und los ging die Tour. Und der erste Teil war wirklich so leicht zu erwandern, dass wir ob der vielen Kilometer gar keine Bedenken hatten. Es ging ganz eben oder nur mit leichter Steigung durch die wunderschöne Landschaft in ein altes Hirtendorf. Hier in Pagliare di Tione lebten früher, wie in anderen Hirtendörfern auch, die Männer das ganze Jahr über. Die Frauen und Kinder kamen nur in den Sommermonaten herauf. In den 1950er Jahren wurden die Häuser dann meist aufgegeben und verfielen, bis sie vor kurzem von den Römern als Wochenend- bzw. Sommerhäuschen wiederentdeckt wurden.

IMG-20160723-WA0039IMG-20160723-WA0037

Als wir gegen 11 Uhr in Pagliare di Tione ankamen war es schon ordentlich warm und wir waren froh über eine kurze Rast auf den Kirchenstufen. Unsere Esel warteten derweil angeseilt und grasten gemütlich vor sich hin. Doch als wir wieder kamen begrüßten sie uns mit lauten Rufen. Offensichtlich waren sie froh uns zu sehen.

IMG-20160723-WA0049

Wir werden gerufen
Wir werden gerufen

Der nächste Step unseres Trecks führte uns ins nächste Hirtendorf Pagliare di Fontecchio. Aber schon der Weg aus dem ersten Dorf war eine kleine Herausforderung und zum Glück für uns halfen uns zwei Frauen, die uns einen winzigen Weg zeigten, den wir alleine nicht gefunden hätten. Übrigens waren diese beiden Frauen die einzigen Menschen, die wir auf dem gesamten Weg getroffen haben.

Was nach Dorf zwei folgte war dann ein Abstieg, den ich nicht vergessen werde. Ich gebe zu, ich bin so gar keine Bergziege. Schlechter als ich kann man nicht den Hang hinunter laufen. Jede Oma hätte mich überholt und meine Eselin Annabell hatte schon nach wenigen Metern keine Lust mehr, sich von mir ausbremsen zu lassen. Ständig stieß sie mich mit dem Kopf oder wollte mit aller Macht an mir vorbei. Unsere Gastgeberin Saskia hatte uns für so einen Fall den Rat gegeben, lieber loszulassen als eventuell zu stürzen. Das habe ich dann auch gemacht und Annabell lief brav den anderen aus der Gruppe hinterher. Gestürzt bin ich aber auch ohne Esel, denn Geröll unter meinem Fuß animiert mich förmlich zum hinfallen. Einige Male konnte ich mich noch abfangen, dann aber landete ich kapriziös auf meinem Hintern. Annett und Stephanie hatten ihre Esel und Körper da besser im Griff. Wobei so ganz stimmt das nicht, denn Annett wurde zweimal auf den Fuß getreten, gerechterweise einmal auf den linken und einmal auf den rechten Fuß. Beide sind jetzt wunderschön blau und dick.

IMG-20160723-WA0045

Da läuft mein Esel ohne mich
Da läuft mein Esel ohne mich

Schaden durch Tiere anderer Art habe ich übrigens trotz der „Nummer eins unter den Insektenschutzmitteln“ genommen. Während Annett und Stephanie sich nicht mit Autan eingeschmiert hatten und trotzdem stichlos blieben, war ich nach den Eseln beliebtestes Ziel unter den Blutsaugern. Mehrfach wurden mir zum Beispiel Stiche in Form des Sternbildes „Großer Wagen“ verpasst. Welche Botschaft mir das Universum damit geben wollte blieb mir verschlossen. Vielleicht, dass ich lieber ein Auto hätte nehmen sollen?

Von ganz da oben bis ganz unten in drei Stunden
Von ganz da oben bis ganz unten in drei StundenStunden

Die Hitze war nebenbei erwähnt auch nicht ohne, wenn nicht sogar das größte Problem. Zwar führte der dreistündige Abstieg größtenteils durch schattige Waldgebiete, aber nach jedem Abstieg folgt ja bekanntlich ein Aufstieg. Und dieser einstündige Weg war noch einmal recht glühig hinauf zu unserem Zielort Fontecchio.

Unser Zielort Fontecchio von der Ferne
Unser Zielort Fontecchio von der Ferne

Esel sind zwar Wüstentiere, aber ihre bettelnden Blicke, wenn wir aus unseren Wasserflaschen tranken, sprachen Bände. Deshalb haben wir brüderlich geteilt oder natürlich getränkt wo es Möglichkeiten gab.

Aber so absurd es klingt, die schlimmsten Meter waren die letzten. Wir waren nämlich im Grunde schon da, mussten aber die Esel wieder runter in ihr Freigehege bringen und versorgen. Das hieß unter anderem Stroh aus einem Haufen rupfen, der so zusammengepresst war, dass die Mistgabel keine Chance hatte. Unsere Esel waren übrigens hoch erfreut über den Sand im Gehge und wälzten sich gleich ordentlich darin, ohne Rücksicht auf die daneben stehende Annett, die gleich mit eingestaubt wurde. Soll ja gegen Mücken helfen.

So kraftlos und überhitzt hat uns bestimmt noch niemand gesehen. Wenige Treppen unter unserem zu Hause mussten wir uns einfach hinsetzen, den Kopf in den Schoß legen und dann haben wir uns vor Erschöpfung noch schlapper gelacht. Also wenn das nicht zusammenschweißt dann weiß ich auch nicht….